Netzwerk-CM Schweiz

Netzwerk Case Management Schweiz ist ein Verein von im Gesundheits-, Sozial- und Versicherungsbereich tätigen Personen und Institutionen, die mit der Methode des Case Management arbeiten.

RR Bernhard Pulver zu CM in der Berufsbildung

Claudia Merki - 15. Dezember 2014

Bernhard Pulver, Regierungsrat

Erziehungsdirektor Kanton Bern

 

Seit 2009 wird im Kanton Bern die Case Management-Methode im Bereich der Berufsbildung angewendet. Welche Bedeutung hat das CM aus Ihrer Sicht für die Berufsbildung und ganz allgemein für die Volkswirtschaft im Kanton Bern?

Bernhard Pulver: Unser Ziel ist es, dass mindestens 95% aller Jugendlichen einen Abschluss auf Sekundarstufe II erreichen. Wir sind stolz darauf, im Kanton Bern diese Quote praktisch zu erreichen. Das Case Management Berufsbildung leistet da einen wichtigen Beitrag, indem es Jugendliche mit besonderen Schwierigkeiten individuell unterstützt und begleitet.

Mit der Unterstützung durch das CM BB können auch Jugendliche und junge Erwachsene mit ungünstigen Voraussetzungen einen Berufsabschluss auf Sekundarstufe II schaffen. Letztlich stehen dadurch der Wirtschaft mehr Fachkräfte zur Verfügung. Nebst diesem volkswirtschaftlichen Nutzen ist das aber auch für jedes Individuum zentral: Wir wollen allen Selbständigkeit und Selbstentfaltung in der Gesellschaft ermöglichen.

 

Inwiefern kann das Case Management Berufsbildung zu Kosteneinsparungen beitragen? Oder treibt das CM im Gegenteil die Kosten noch in die Höhe?

Wer einen Berufsabschluss hat, wird viel seltener arbeitslos. Deshalb leisten alle Anstrengungen, den jungen Erwachsenen zu einem Berufsabschluss zu verhelfen, einen wichtigen Beitrag zur Armutsprävention. Dies liegt ganz im Sinne der Regierungsrichtlinien des Kantons Bern, die eine Zunahme der Abschlüsse auf Sekundarstufe II und eine nachhaltige Integration in die Arbeitswelt anstreben. Wenn es gelingt, dass Jugendliche mit Unterstützung des CM BB eine Ausbildung abschliessen können, erhalten sie eine Perspektive, die es ihnen ermöglicht, ein eigenständiges Leben führen zu können. Das bringt während der gesamten Dauer der beruflichen Laufbahn hohe Kosteneinsparungen zum Beispiel bei der Sozialhilfe. Das Case Management Berufsbildung ist somit ganz klar eine langfristig kostensparende Investition.

 

Im CM BB werden Jugendliche und jungen Erwachsene stufenübergreifend auf dem Weg ins Berufsleben systematisch unterstützt und begleitet. Besteht hier nicht die Gefahr einer Überbetreuung oder eines falschen Anreizes, dass Jugendliche und junge Erwachsene selbst nichts mehr machen?

Das CM BB richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene mit Mehrfachschwierigkeiten in schulischen, sprachlichen, persönlichen, sozialen, gesundheitlichen und integrativen Bereichen. Eine wichtige Aufgabe ist nebst der Prozessverantwortung und der Fallführung die Koordination der verschiedenen involvierten Akteure. Zusammen mit den Jugendlichen, den Erziehungsberechtigten sowie mit allen beteiligten Akteuren wird eine individuelle Integrationsplanung vorgenommen, die auch die vorhandenen Kompetenzen mitberücksichtigt und diese fördert. Es geht also in erster Linie darum, vorhandene Ressourcen zu nützen. Und ohne Engagement der Betroffenen geht sowieso nichts.

 

Welche Zukunft sehen Sie für das Case Management-Verfahren im Bereich der Berufsbildung?

Das CM BB im Kanton Bern ist ein Angebot interinstitutioneller Zusammenarbeit zwischen Erziehungs-, Volkswirtschafts- und Gesundheits- sowie Fürsorgedirektion. Das Angebot ist heute sehr gut positioniert und erfolgreich unterwegs. Nebst der Zuständigkeit für Schülerinnen und Schüler der Volks- und Berufsfachschulen werden im Auftrag der GEF auch Jugendliche und junge Erwachsene durch die regionalen und kommunalen Sozialdienste für eine langfristige Begleitung dem CM BB zugewiesen. Zudem übernimmt das CM BB im Kanton Bern weitere wichtige Aufgaben wie zum Beispiel die Triagestelle, in der Jugendliche und junge Erwachsene bedarfsorientiert in die öffentlichen Brückenangebote zugewiesen werden. Ziel ist, dass wir ab 2017 das CM BB in die Regelstruktur des Kantons Bern überführen können.

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