Netzwerk-CM Schweiz

Netzwerk Case Management Schweiz ist ein Verein von im Gesundheits-, Sozial- und Versicherungsbereich tätigen Personen und Institutionen, die mit der Methode des Case Management arbeiten.

"Der Effekt des CM ist auch aus personalpolitischer Sicht nicht zu unterschätzen"

Im Interview: Vroni Straub-Müller, Vorsteherin Bildungsdepartement Stadt Zug

 

Seit gut zehn Jahren wird in der Schweiz die Case Management-Methode in der Praxis angewendet, und zwar in Versicherungen, Sozialämtern, in Spitälern, Grossunternehmen etc., aber auch etwa bei Schulabgängern. Welches ist aus Ihrer Sicht die volkswirtschaftliche Bedeutung von Case Management in der Schweiz?

Vroni Straub: Case Management zeigt aus betriebswirtschaftlicher und auch personalpolitischer Sicht bereits seine Wirkung. Volkswirtschaftlich wird das Thema Case Management interessant, wenn übergreifend und ganzheitlich daran gearbeitet wird, so etwa in den Bereichen Bildung und Alter.

Welches ist aus Ihrer Sicht die volkswirtschaftliche Bedeutung von Case Management?

Betriebswirtschaftlich erwiesen ist, dass mittels eines geschickten Case Managements, welches schon früh startet, Kosten reduziert und im besten Falle auch IV-Fälle reduziert werden. Dies wird durch diverse Studien belegt, welche in Versicherungen und Unternehmen erstellt wurden. Aus volkswirtschaftlicher Sicht wird es spannend, wenn entsprechende Kennzahlen definiert sind. Dazu muss das Thema weiterverfolgt und die Vernetzung vorangetrieben werden. Mit dem Optimieren von Schnittstellen, dem vernetzten Angehen des Themas wie auch dem Reduzieren von Komplexität wird es gelingen, die Bedeutung mittel- bis langfristig aufzuzeigen.

Inwiefern hat CM zu Kosteneinsparungen bei den verschiedenen Beteiligten beigetragen? Oder hat CM im Gegenteil die Kosten noch gesteigert?

Die Einführung von Case Management führt zu Beginn zu höheren Kosten. Sei es, dass sich Mitarbeitende mit diesem Thema strukturiert befassen oder IT-Lösungen eingekauft werden müssen. Gleichzeitig führt dies auch zu einem Kulturwandel, welcher sich etablieren muss. Die Zusammenarbeit mit einem Versicherer macht ja nach Grösse der Organisation Sinn und kann diese Kosten auf ein Minimum reduzieren.

Mit dem Case Management konnten einerseits Kosten beim Arbeitgeber (Lohnkosten), im Gesundheitsbereich (Krankenkassen, Spitalkosten etc.) wie auch bei den Sozialversicherungen reduziert werden. Werden rasch alle Beteiligten an einen runden Tisch gerufen (Kernauftrag des CM), so können Wiedereingliederungen schneller an die Hand genommen werden. Der Effekt des CM ist auch aus personalpolitischer Sicht nicht zu unterschätzen: die Mitarbeitenden werden in einer persönlich schwierigen Zeit vom Arbeitgeber unterstützt und fühlen sich aufgehoben.

Soll CM eine freiwillige Leistung oder eine Pflichtleistung von Versicherern, Staat und Gemeinden sowie Institutionen sein?

Die Frage ist hier, ob Leistung oder Bezug verpflichtet werden soll. Die Leistungen sollen nicht verstaatlicht, sondern von den Beteiligten angeboten werden – sprich von den Arbeitgebenden und den Versicherungen. Diese Leistungen machen nur Sinn, wenn sie von den Betroffenen bezogen werden. Seitens Arbeitgeber ist es mehr als sinnvoll, ein CM strukturiert einzusetzen. Oftmals ist es noch nicht im Gedankengut der Mitarbeitenden, sich gegenüber einer Case Managerin, einem Case Manager zu öffnen und mit dieser Person zusammen die nächsten Schritte anzugehen. Hier besteht noch viel Handlungsbedarf.

Welche Zukunft sehen Sie für das Case Management-Verfahren?

Case Management wird sich weiter etablieren, und in einigen Jahren werden Firmen bzw. Institutionen, welche kein CM anbieten, in der Minderheit sein. Ob es sich dabei um ein firmeneigenes oder ein externes CM handelt, spielt aus meiner Sicht eine untergeordnete Rolle.

 

Foto: zvg.

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