Netzwerk-CM Schweiz

Netzwerk Case Management Schweiz ist ein Verein von im Gesundheits-, Sozial- und Versicherungsbereich tätigen Personen und Institutionen, die mit der Methode des Case Management arbeiten.

"Case Management stark gewichtet"

Claudia Merki - 6. Mai 2014

Interview mit Urs Marti, Stadtpräsident von Chur

Seit gut 10 Jahren wird in der Schweiz die Case Management-Methode in der Praxis angewendet, und zwar in Versicherungen, Sozialämtern, in Spitälern, Grossunternehmen usw., aber auch bei Schulabgängern oder Verwaltungen. Welches waren die Gründe dafür bei der Stadt Chur?

Urs Marti: Die Stadt Chur hat sich im 2013 entschieden, eine Krankentaggeldversicherung einzuführen. Bei den Zuschlagskriterien wurde bei den Zusatzdienstleistungen insbesondere das Case Management stark gewichtet. Die SWICA hat bei der Submission den Zuschlag erhalten und ist seit 1. Januar 2014 der Krankentaggeldversicherer der Stadt Chur. Im Unfallversicherungsbereich spielen die Case Manager seit langem insbesondere bei schwereren Unfällen eine wichtige Rolle. Das Personalamt der Stadt Chur übt im Rahmen seiner Möglichkeiten eine Case Management-Funktion aus, ist aufgrund der knappen personellen Ressourcen jedoch froh, ab 1. Januar 2014 bei Krankheit und Unfall mit den externen Case Manager der Versicherungen zusammen arbeiten zu können.

 

Welches ist aus Ihrer Sicht die volkswirtschaftliche Bedeutung von Case Management?

Zahlen der SUVA belegen, dass von den 9‘408 Schwerverunfallten des Jahres 2012 weit über 80 % erfolgreich wieder eingegliedert werden konnten. Im Weiteren sank seit der Einführung des heutigen Case Managements der SUVA im 2003 die Zahl der Neurenten um 53 % und die entsprechenden Kosten sogar um 57 %. Ich denke, diese Zahlen sprechen für sich und zeigen die Bedeutung des CM deutlich auf.

 

Inwiefern hat CM zu Kosteneinsparungen bei den verschiedenen Beteiligten beigetragen? Oder hat CM im Gegenteil die Kosten noch gesteigert?

Wir erhoffen uns vom CM im Bereich Krankheit / Unfall langfristig gesehen eine Reduktion der Langzeitfälle und damit auch Verringerung der entsprechenden Absenzkosten. Im Unfallversicherungsbereich konnten wir mit dem CM der Versicherer bereits positive Erfahrungen sammeln. Unter andrem konnte dank Hilfe des SUVA-Case Managers in einem Langzeitfall erfolgreich eine Wiedereingliederung in einem externen Unternehmen realisiert werden, was dazu beigetragen hat, eine berufliche Ausgliederung und entsprechende Kosten zu verringern.

 

Soll CM eine freiwillige Leistung oder eine Pflichtleistung von Versicherern, Staat und Gemeinden sowie Institutionen sein?

Ich bin überzeugt davon, dass das Case Management-Verfahren bzw. das Management von komplexen Fällen wichtig und sinnvoll ist und zwar überall dort, wo ein Prozess mit verschiedenen Akteuren zusammen besser lösungsorientiert angetrieben werden kann. Viele Versicherer haben das bereits seit langem erkannt. Arbeitgeberseitig versteht es sich auch von selbst, dass alles Notwendige getan werden muss, um die berufliche Wiedereingliederung zu beschleunigen - sei dies mit internen oder externen Case Managern zusammen. Ich glaube aber grundsätzlich an die Freiwilligkeit bei sinnvollen Angeboten.

 

Welche Zukunft sehen Sie für das Case Management-Verfahren?

Ich gehe davon aus, dass sich das CM weiter ausbreiten wird und in absehbarer Zukunft ein alltäglich eingesetztes Verfahren sein wird. Eine durch Unfall oder Krankheit arbeitsunfähige Person hat grössere Chancen, sich auf dem Arbeitsmarkt wieder einzugliedern, wenn sie sich von ihrem Umfeld unterstützt fühlt. Gerade diese Aufgabe kann eine Case Managerin oder ein Case Manager optimal wahrnehmen.

Foto: zvg

Newsletter Abonnieren

Hier können Sie den Netzwerk Case Management Newsletter abonnieren. Einfach E-Mail Adresse eintragen und mit "SENDEN" Ihre Anfrage bestätigen.