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Netzwerk Case Management Schweiz ist ein Verein von im Gesundheits-, Sozial- und Versicherungsbereich tätigen Personen und Institutionen, die mit der Methode des Case Management arbeiten.

Avenir Suisse: Eingliedern satt Ausschliessen - grosse Unterschiede zwischen den IV-Stellen der Kantone

"Avenir Suisse sieht Ineffizienz bei IV" - titelten die Newsportale im April 2021, als Avenir Suisse ihre Publikation Eingliedern statt ausschliessen präsentiert. (Quelle BlueNews)

Tatsächlich weist die Studie von Avenir Suisse, in deren Rahmen erstmals Daten des BSV ausgewertet wurden und die Eingliederungsbemühungen der Kantone untersucht wurden, erhebliche Unterschiede im kantonalen Vergleich aus:

"Im kantonalen Vergleich zeigen sich beträchtliche Unterschiede. Die Rentenquoten – also das Verhältnis der zugesprochenen Renten pro Anmeldung – sind in der Romandie und im Tessin mindestens 27% höher als in der übrigen Schweiz, im Kanton Genf sogar um 41%. Die Differenzen spiegeln die Auslegungen des Bundesrechtes durch die kantonalen IV-Stellen und zum Teil durch die Kantonsgerichte. Sie sind aber auch das Resultat unterschiedlicher Eingliederungsstrategien.

Die Kantone Appenzell-Ausserrhoden, Jura und Zug geben mehr als dreimal so viel aus pro Massnahmenbezüger wie das Tessin. Doch nicht nur die Beträge pro Fall variieren stark, sondern auch die Zahl der Bezüger und der Integrationserfolg. So ist die Erfolgsquote in den Kantonen Solothurn und Wallis deutlich tiefer als im Kanton St. Gallen. Das BSV als Aufsichtsorgan ist gefordert, die Gründe für diese Unterschiede zu untersuchen und die Basis für Vergleiche bei psychischen Krankheiten mit einer einheitlichen Nomenklatur (ICD-10) zu legen. Um die Mittel effizienter einzusetzen, sollte ein Kostendach für alle beruflichen Massnahmen pro IV-Stelle, gestützt auf die Anzahl Anmeldungen pro Jahr, festgelegt werden – analog zur Regelung in der Arbeitslosenversicherung."

 

Weiter werden auch Optimierungsvorschläge angebracht für die Zusammenarbeit bei privaten und staatlichen Akteuren. So müsse die Kommunikation zwischen Krankentaggeldversicherer und IV verbessert werden, weil ersterer oftmals viel früher von einer Arbeitsunfähigkeit erfährt. Zudem seien Lösungen zu finden zur Vermeidung von Doppelspurigkeiten zwischen ALV, Sozialhilfe und IV, wie beispielsweise im Projekt "Kooperation ARbeitsmarkt" des Kantons Aargau angestrebt wird:

 

"So könnte das Ressourcenorientierte Eingliederungsprofil (REP), wie es der Verein Compasso vertritt, vermehrt dazu beitragen, die Kommunikation zwischen Arzt und Arbeitgeber zu verbessern. Ein solches Instrument dokumentiert die Arbeitsfähigkeit statt -unfähigkeit der Erkrankten und er-leichtert somit die Planung ihrer Rückkehr an den Arbeitsplatz. Arbeitgeber sollten das REP-Zeugnis ab 30 Tagen Abwesenheit vom behandelnden Arzt einfordern.

Auch erfährt der Krankentaggeldversicherer meist lange vor der IV von einer Arbeitsunfähigkeit und setzt regelmässig einen Case-Manager ein. Davon profitieren die IV und die Pensionskassen, die sich an diesen Kosten nicht beteiligen müssen. Diese Verzerrung führt zu suboptimalen Ergebnissen, weil dadurch zu wenige Case-Manager eingesetzt werden. Die IV und die Versicherungsbranche müssen Mechanismen definieren, die alle profitierenden Leistungsträger an den Kosten beteiligen.

Schliesslich sollten Doppelspurigkeiten zwischen der IV, der Arbeitslosenversicherung und der Sozialhilfe zugunsten der Patienten überwunden werden, wie es der Kanton Aargau modellhaft vorführt: Unter den Namen «Kooperation Arbeitsmarkt» bündeln die Ämter ihre Dienste unter einem Dach und vereinfachen so die Schnittstellen mit den Erkrankten und den Arbeitgebern. Die kantonalen Parlamente und Regierungen sind gefordert, die Ziele und die Form der inter-institutionellen Zusammenarbeit zu überprüfen und an die lokalen Gegebenheiten anzupassen. Letztlich gilt es, von föderalen Erfolgsmodellen zu lernen."

Die Publikation gibt wichtige Hinweise auf den aktuellen Stand und den Optimierungsbedarf. Es zeigt insbesondere auch die Bedeutung der Schnittstellenproblematiken und der entsprechende Koordination auf, in deren Rahmen Case Management eine wichtige Rolle einnimmt.

Hier geht es zum Artikel und Publikation von Avenir Suisse.

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