Netzwerk-CM Schweiz

Netzwerk Case Management Schweiz ist ein Verein von im Gesundheits-, Sozial- und Versicherungsbereich tätigen Personen und Institutionen, die mit der Methode des Case Management arbeiten.

3-Länder-Treffen in Linz

Claudia Merki - 10. August 2018

In diesem Jahr fand das Dreiländertreffen am 13. Juli 2018 auf Einladung der Österreichischen Gesellschaft für Care und Case Management (ÖGCC) beim Gesundheitsverein Progres in LInz statt. Teilnehmende waren von der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC) Wolf Rainer Wendt, von ÖGCC Renate Zingerle, Doris Formann und Maria Pötscher-Eidenberger sowie vom Netzwerk Case Management Schweiz Christine Rex und Lars Golly.

Nach einer Einführung und einem geschichtlichen Überblick über das Dreiländertreffen kam es zum Austausch über Neuigkeiten aus den Ländern.

 

In Deutschland sind Spitäler und stationäre Einrichtungen im Bereich der Rehabilitation verpflichtet, ein Entlassmanagement durchzuführen. Dieses ist im Deutschen Krankenversicherungsrecht (SGB V) und über Rahmenverträge geregelt. Die DGCC hat sich in diesem Zusammenhang positioniert.
Im Deutschen Bundesteilhabegesetz wurde auf Grundlage der UN-Behindertenkonventionen die Betroffenensichtweise bei behinderten Personen gestärkt. Dies schlägt sich auf die Hilfeplanung zusammen mit den Betroffenen nieder. Das Peer Counceling innerhalb eines Teilhabeplanverfahrens und der Gesamtplanung wird zunächst erprobt. Diesbezüglich wurde die DGCC gebeten, sich fachlich einzubringen.
Das Pflegestärkungsgesetz in Deutschland beinhaltet einen stärkeren Fokus auf demenzkranke Personen, die Neugestaltung der Pflegestufen und die Beratung auf kommunaler Ebene.
Case Management Organisationen können sich freiwillig über die DGCC auditieren lassen.
Die nächste Qualitätstagung der DGCC findet am 28. September 2018 in Mainz, Deutschland zum Thema «Digitalisierung als neue Herausforderung in der Weiterbildung» statt.
Die nächste Case Management Fachtagung der DGCC findet am 5. Oktober 2018 in Freiburg i. Breisgau zum Thema «Case Management und Politik» statt.

 

Die Vertreterinnen aus Österreich berichten von einem unveränderten Mitgliederbestand. Eine Zertifizierung für Bildungseinrichtungen ist seit 2014 möglich, was bisher 13 Bildungseinrichtungen aus sechs Bundesländern genutzt haben.
In Österreich ist das Interesse an Case Management sehr hoch. So hat Vorarlberg z.B. Case Management in der Pflege für Personen in schwierigen Lebenslagen flächendeckend eingeführt.
Das Konzept Case Management bildet die fachlich-methodische Basis für vier bundesweite Projekte: Fit2 Work, Jugendcoaching, Produktionsschule und Rehabilitationsgeld.
Auf der Ebene des methodischen Handelns zeigt sich eine Tendenz in Richtung vermehrtem Case Management, nicht zuletzt wegen der steigenden Anzahl der Absolventinnen und Absolventen der zertifizierten CM-Weiterbildungen.
Die nächste ÖGCC Fachtagung zum Thema «Kompetenzorientierung im Case Management» findet am 6. Dezember 2018 in Salzburg statt.

 

Die Vertreter des Vereins Netzwerk Case Managements Schweiz berichten von einem Strategieentwicklungsprozess und somit von der Anstellung einer Geschäftsführerin.
Es wurde weiter über koordinierte Versorgung aber auch über die neuen Tarifmodelle TARMED und TARPSY und die daraus auftretenden Probleme berichtet.
Ähnlich wie in Deutschland wurden im Behindertenbereich die Vorgaben aus der UN-Behindertenkonvention auf kantonaler Ebene umgesetzt. Hier existieren je nach Kanton verschiedene gesetzliche Durchführungsmodelle.
Das Netzwerk CM hat eine Forschung in Auftrag gegeben, welche die CM-Landschaft in der Schweiz abbilden soll.
Insgesamt kann für die Schweiz gesagt werden, dass CM in den verschiedensten Bereichen in der Regelversorgung angekommen ist.

Der nächste Jahreskongress findet am 19. September 2018 in Bern zum Thema «Arbeits- und Lebenswelt 4.0 – Trends und Themen der Zukunft und ihre Herausforderungen» statt.

 

Im allgemeinen Austausch ging es um Entwicklungen im Gesundheitswesen. Hier berichteten alle Beteiligten über ähnliche Erfahrungen:
Das Prinzip «ambulant vor stationär» zur Förderung der individuellen Lebensführung ist vor allem im Bereich der psychiatrischen Versorgung zu beobachten. Das Home-Treatment durch multiprofessionelle Teams ist in Deutschland durch das Krankenversicherungsgesetz möglich. Auch in der Schweiz gibt es auf regionaler und kantonaler Ebene mittlerweile Home-Treatment Strukturen oder sie werden geschaffen.
In Deutschland werden immer mehr Kostenträger auch zu Leistungserbringer. In Österreich und der Schweiz wird Case Management sowohl bei Leistungserbringern als auch bei Leistungsträgern durchgeführt. Alle Beteiligten des Treffens waren sich einig, dass mit der stärkeren Einflussnahme der Kostenträger auf den Hilfeprozess die Stärkung der Gesundheitskompetenz der Leistungsnehmenden einhergehen muss, damit der dialogisch kooperative Prozess auf Augenhöhe ermöglicht wird. Als Beispiel von Stärkung des Selbstmanagements wurde der «Familienrat» in der Kinder- und Jugendhilfe genannt.

Als weitere Themen wurden Case Management und Quartiersarbeit gestreift. Die Teilnehmenden stellten Überlegungen zu Grössenordnung an und stellten fest, dass sich eine Verknüpfung dieser Ansätze auf kleinräumige Projekte beziehen sollte.
Zum Thema Case Management und Wirkung sprachen die Anwesenden über verschiedene Studien. Die Übersicht von Gaertner et. al aus dem Jahre 2014 zeigt eine grosse Bandbreite für Personen über 65 Jahren. Es gibt noch verschiedene Wirkungsstudien, welche die Wirkung von Case Management in verschiedenen Arbeitsbereichen (u.a. der Pflege) belegen.

 

Das nächste Dreiländertreffen wird am 12. Juli 2019 in Zürich stattfinden. Gastgeber ist dann der Verein Netzwerk Case Management Schweiz.

Lars Golly
Vorstandsmitglied Verein Netzwerk Case Management Schweiz

 

Foto: zvg

Teilnehmende am Dreiländertreffen 2018, (v.l.):
Lars Golly und Christine Rex (Verein Netzwerk CM Schweiz); Renate Zingerle und Maria Pötscher-Eidenberger (ÖGCC); Wolf Rainer Wendt (DGCC), Doris Formann (ÖGCC).

 

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