Netzwerk-CM Schweiz

Netzwerk Case Management Schweiz ist ein Verein von im Gesundheits-, Sozial- und Versicherungsbereich tätigen Personen und Institutionen, die mit der Methode des Case Management arbeiten.

3 Fragen an Karin Wittwer (Psychiatrie Regionalspital Emmental AG)

Jana Renker - 11. Oktober 2021

3 Fragen, 3 Antworten an...

Karin Wittwer-Wyss
Fachfrau berufliche Integration, Psychiatrie Regionalspital Emmental AG

Vorweg: Es wurden 4 Fragen und 4 Antworten zum extrem spannenden Handlungsfeld von Karin Wittwer!

In welchem Handlungsbereich hast du deine Kernkompetenz?

Jobcoaching und Kurzabklärung der Eingliederungsfähigkeit mit PatientInnen aus dem psychiatrischen Umfeld:
• Klärung der Arbeitsmarktfähigkeit (1./2. Arbeitsmarkt)
• Erkennen von Mustern
• Geben von Handlungsempfehlungen für nächste Schritte in Bezug auf die berufliche Integration oder soziale/gesundheitliche Stabilisation
• Begleitung eines Prozesses (Wiedereingliederung, Lehre, Finden eines Abklärungsplatzes, gefährdete Arbeitsstelle aufgrund von Krankheit etc.).
Die PatientInnen werden von TherapeutInnen, SozialarbeiterInnen klinikintern, -extern oder von der IV oder anderen Leistungsträgern zugewiesen. Sie dürfen sich auch direkt bei uns in der Triagestelle melden.


Wer ist deine Zielgruppe, wenn es um die Re-Integration in den ersten Arbeitsmarkt geht?
PatientInnen ab 18 Jahren mit psychiatrischen Erkrankungen, bei denen aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme droht, dass sie ihre Arbeitsstelle oder Lehrstelle verlieren oder sie bereits verloren haben. Menschen, die länger aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden sind:
• Aktuell coache ich viele jüngere PatientInnen, die den Einstieg ins Berufsleben nicht geschafft haben.
• Bei PatientInnen, denen eine Kündigung droht, bestehen oft über längere Zeit hinweg Konflikte am Arbeitsplatz und Überlastungssituationen. Die Erkrankung erschwert ihnen teilweise auch, ihre Leistung zu erbringen.
• Langzeitarbeitslose oder auch junge PatientInnen, bei denen unklar ist, ob der erste oder zweite Arbeitsmarkt angestrebt werden sollte.


Was müssen die Personen mitbringen, was sind «Killerkriterien»?
Idealerweise ist die IV involviert und es besteht die Möglichkeit, die Massnahme über FI (Frühinterventionsmassnahmen) oder berufliche Massnahmen zu planen und umzusetzen. Von der IV wird erwartet, dass eine Teilpräsenzzeit möglich ist. Für Coaching und auch für die Abklärungen müssen die PatientInnen an den Massnahmen teilnehmen können und auch wollen. Angestrebt wird eine berufliche Integration in den ersten oder zweiten Arbeitsmarkt.


Wie zeichnet sich deine Arbeitsweise aus?
Mir ist wichtig, dass ich die PatientInnen aus der Thematik «Krankheit» in Richtung «gesund» und «integriert» begleiten darf. Ich arbeite mit einem systemisch lösungsorientieren Ansatz und unterstütze die PatientInnen darin, ihre Ressourcen und Stärken wieder zu entdecken und zu nutzen. Ich stelle viele Fragen und wir besprechen gemeinsam konkrete nächste Schritte, die die PatientInnen selbständig oder mit ausgewählter Unterstützung aus ihrem Umfeld umsetzen können. Ich sehe mich als «Sparringspartner» und bleibe bei der Umsetzung an ihrer Seite. Die neu gewonnene Kraft, das Zutrauen in ihre Stärken entfacht eine Wirkung. Dieser Prozess hilft aus meiner Sicht bei der Genesung und bringt die PatientInnen idealerweise einen Schritt zurück ins Leben. Während des Coachings bleibe ich – natürlich immer in Absprache mit den PatientInnen – in Kontakt mit den TherapeutInnen. Erkenntnisse aus dem Coaching können in die Therapie einfliessen und umgekehrt. Die Zusammenarbeit mit den TherapeutInnen erlebe ich hier als sehr pragmatisch und lösungsorientiert. Gespräche zu dritt (Patientin, Therapeutin Coach) sind jederzeit möglich bei Bedarf.

 

 

Herzlichen Dank an Karin Wittwer-Wyss für den spannenden Einblick!

Jana Renker, 11.10.2021

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