Netzwerk-CM Schweiz

Netzwerk Case Management Schweiz ist ein Verein von im Gesundheits-, Sozial- und Versicherungsbereich tätigen Personen und Institutionen, die mit der Methode des Case Management arbeiten.

3 Fragen an ...

Claudia Merki - 28. November 2018

... Lisa Portmann, Sozialarbeiterin BSc HSLu, Leiterin Case Management Lindenhof- und Engeriedspital, Bern

 

Wodurch zeichnet sich das Case Management im Lindenhofspital aus?
Das Case Management im Lindenhofspital zeichnet sich durch intendierte und egalitäre Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Berufsgruppen aus. Dipl. Pflegefachpersonen mit Zusatzkenntnissen- oder Weiterbildungen in Case Management sowie dipl. Sozialarbeitende arbeiten hier interprofessionell eng zusammen. Der Nutzen dieser Interprofessionalität ist vielfältig. Die Zielgruppe, Patientinnen und Patienten, werden von der Berufsgruppe betreut, welche für die Bearbeitung der vordergründigen Problematik den nötigen professionellen Background mitbringt.
Ärzte und Pflegende haben bezüglich Austrittsmanagement nur eine Ansprechgruppe. Sie können davon ausgehen, dass innerhalb des Case Management die passende Berufsgruppe zugeteilt wird. Diese Zuteilung geschieht über klar definierte Triage-Kriterien nach Eingang der Fallmeldung. Schnittstellen und Doppelspurigkeiten können heute praktisch ausgeschlossen werden. Dadurch werden Prozesse schlanker und der Outcome effizienter. Und nicht zuletzt ermöglicht die enge interprofessionelle Zusammenarbeit den Case Managerinnen und Case Managern, dass sie tagtäglich voneinander lernen und profitieren können. Die kurzen Rapporte dienen jeweils auch einem fachlichen Austausch, welcher letztendlich wieder der Zielgruppe zu Gute kommt.

 

Inwiefern hat sich das Case Management im Lindenhofspital in den letzten Jahren verändert?
Die Sozialberatung ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil des Beratungsangebotes der Lindenhofgruppe. 2013 wurde auf der inneren Medizin ein Pilotprojekt für medizinisch-pflegerisches Case Management zur Koordination ausgewählter Patientensituation durchgeführt. Dies aufgrund der wachsenden Komplexität der Patientensituationen VS kürzerer Hospitalisationsverweildauer (DRG), der demographischen Entwicklung (Multimorbidität, erhöhtes Delirrisiko), verzögerter Kommunikation (intern und extern) und Koordination der längerfristigen medizinischen und pflegerischen Ziele, sowie vermehrten Langzeithospitalisationen. Nach Abschluss des Projektes wurde das medizinisch-pflegerische Case Management auf der inneren Medizin fest implementiert, jedoch als autonomer Bereich geführt. Dies wiederum hatte insbesondere für alle Beteiligten eine spürbare Schnittstellenproblematik zur Folge. 2016 wurde von der Spitalleitung die Zusammenführung der beiden Berufsgruppen zu einem interprofessionellen Team gefordert. Was in den Anfängen bei den Beteiligten Ängste um die eigene Berufsidentität auslöste, ist heute nicht mehr wegzudenken. Nach eineinhalb Jahren interprofessioneller Zusammenarbeit sind sich alle einig, dass der Zusammenschluss der einzig richtige Weg war. Das Case Management wie es im Lindenhofspital gelebt und umgesetzt wird, ist heute ein sehr gut positioniertes und allseits geschätztes Unterstützungsangebot für Ärzte, Pflegende, Therapeuten und Patienten.

 

Welche Änderungen sehen Sie auf Case Managerinnen und Case Manager in den nächsten Jahren zukommen?
Grundsätzlich sind sämtliche Player im Gesundheitswesen massivem Spardruck ausgesetzt. Eine Prognose zu wagen, wo dies bezüglich unserer Tätigkeit hinführt, wäre vermessen. Es bleibt zu wünschen, dass die Wichtigkeit der umfassenden Beratung und Begleitung der Patientinnen und Patienten anerkannt bleibt, damit Passung von Individuum und Gesellschaft weiterhin gelingen kann.
Was wir konkret dazu beitragen können, ist neben kontinuierlicher Weiterentwicklung eine laufende Anpassung unserer Prozesse, damit wir dem geforderten Tempo gerecht werden können. Solange jedoch unsere Tätigkeit durch die Zielgruppe bzw. die Versicherer als Bestandteil der Gesamtkosten eines Spitalaufenthaltes nur indirekt entgeltet wird, finden wir uns alle in der Situation wieder, dass wir auf Anerkennung angewiesen sind. Daher ist eine gute Positionierung gesellschaftlich und politisch unabdingbar.

 

Das Case Management im Lindenhofspital in Kürze
Das interprofessionelle Team des Case Management im Lindenhofspital ist zuständig für die Koordination und Organisation einer nachhaltiger Austrittsplanung sowie die Beratung der Patientinnen und Patienten zu Fragestellungen, welche in engem Zusammenhang mit dem Spitalaufenthalt und der Lebensgestaltung nach dem Spitalaustritt stehen. Die Herausforderung an das Case Management in einem Akutspital besteht darin, mit der Unsteuerbarkeit der Fallbelastung, mit Hektik und hoher Komplexität der Abläufe umzugehen.

 

Foto: zvg

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